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Evangelische Clarenbach-Kirchengemeinde
Köln-Braunsfeld

Das Gemeindezentrum mit Kirche, Glockenturm und Altenheimen Ende der 1960er Jahre.

 

Der Weg zur selbständigen Gemeinde

Die Entstehung der Clarenbachgemeinde hängt wesentlich mit der veränderten Situation nach dem Zweiten Weltkrieg, dem Streben nach Selbständigkeit seitens der in Braunsfeld und Müngersdorf lebenden Protestanten und dem ersten Pfarrer der dann selbständigen Gemeinde, Heinrich Püschel, zusammen.

Pfarrer Püschel, im September 1948 durch Superintendent Encke in der Notkirche Köln-Lindenthal in sein Amt als Pfarrer eingeführt, stellte sich schon in seiner Antrittspredigt selbst in die Nachfolge seines ehemaligen Konfirmators Pfarrer Oesinghaus. Seinerzeit sagte er in seiner Predigt in Auslegung eines Verses aus dem Kolosserbrief Kapitel 3,23: "Ihr Sklaven, was immer ihr tut, daran arbeitet von Herzen, als für den Herrn und nicht für Menschen."

"Der Mann, dessen Nachfolge im Amt ich heute in Braunsfeld und Müngersdorf antrete, gab mir bei meiner Konfirmation seinen eigenen Spruch, dieses Wort, das ich eben verlesen habe. Wenn ich das jetzt hier ausspreche, dann soll damit weiter nichts gesagt werden, als dass eine Verbindung besteht, dass - will's Gott - ein Weiterführen sein wird. Es soll nicht heißen, dass er oder ich von Wichtigkeit wären."

 

 

Briefwechsel mit dem Presbyterium

Im folgenden Herbst und Frühjahr des Jahres 1948 bzw. 1949 verdichteten sich die Bestrebungen, für die Stadtteile Braunsfeld und Müngersdorf eine eigene Kirchengemeinde zu bilden. Briefwechsel des Arbeitsausschusses des Pfarrbezirks Braunsfeld-Müngersdorf mit dem Presbyterium der Kirchengemeinde Köln-Lindenthal geben darüber aufschlussreich Zeugnis.

Unter dem Namen von Herrn Dr. Hermann Mayer stellt der Arbeitsausschuss Anträge, den bisherigen Gemeindebezirk Braunsfeld-Müngersdorf zur selbständigen Gemeinde zu erklären. Als Begründung wird u. a. darauf hingewiesen, dass die Gesamtgemeinde Lindenthal solche Ausmaße angenommen hat, dass von einer einheitlichen Gemeinde nicht mehr gesprochen werden kann.

Hinzu kommt, dass durch Kriegs- und Nachkriegsereignisse eine erhebliche Umschichtung zugunsten der Evangelischen stattgefunden hat. Außerdem wird darauf verwiesen, dass seit einigen Jahren der Vorort Müngersdorf im Clarenbachbezirk dazugekommen ist. Dadurch hebt sich die bisherige räumliche Zugehörigkeit zu Lindenthal immer stärker auf. Vor allem aber fühlt man sich in der praktischen Behandlung bei der derzeitigen kirchlichen Organisation der Gesamtgemeinde Lindenthal stark zurückgesetzt.

Wörtlich heißt es: "Da - wie dem Presbyterium bekannt ist - unser Bezirk über keinen einzigen kirchlichen Raum verfügt, dürfte die Berechtigung zum selbständigen Handeln nicht abgestritten werden können, selbst wenn die Schwierigkeiten in den anderen Bezirken noch so groß wären. Wir können es als bewusste evangelische Gemeindemitglieder nicht länger verantworten, dass von unseren Mitteln in anderen Bezirken Schönheitsreparaturen ausgeführt werden, während bei uns aus oben geschilderten Gründen die „gesamte Gemeindearbeit brach liegt."

 

Pfarrer Karl Oesinghaus (oben links) mit vielen Konfirmanden Mitte der dreißiger Jahre.

 

Gemeindeversammlung

Das Presbyterium steht diesem Ansinnen zunächst zurückhaltend gegenüber. Es verweist darauf, dass "gerade die Größe der Gemeinde Lindenthal und die Umschichtung der Bevölkerung gegen diesen vorliegenden Antrag sprechen". Man meint, den einzelnen Teilen der Gemeinde zweifellos besser helfen zu können, wenn die Gesamtgemeinde dahinter steht.
Doch wird zugleich Bereitschaft signalisiert, diese Fragen bei einer mündlichen Aussprache zu diskutieren.

Für eine gewisse Zeit zumindest soll der Pfarrbezirk noch der Gesamtgemeinde erhalten bleiben. Letztlich aber setzt sich der Gedanke durch, dass der bestehende Zustand keine organische Gliederung mehr darstellt. Die Anmarschwege zu den Lindenthaler Gottesdienststätten sind zu weit, und die Einrichtung in der Schule in Müngersdorf bleibt nur ein Notbehelf. Angesichts der ungefähr 4.500 Gemeindeglieder im Bezirk verspricht man sich größeren Gewinn durch die Selbständigkeit.

In einer Gemeindeversammlung am 4. Mai 1949 entschied sich die Mehrheit der Braunsfelder und Müngersdorfer für die Eigenständigkeit. Ein entsprechender Antrag an das Landeskirchenamt wird gestellt. Mit Erfolg. Eine amtliche Urkunde besagt: "Am 1. April 1950 werden die bisher der Kirchengemeinde Köln-Lindenthal angehörenden evangelischen Einwohner der Ortsteile Braunsfeld und Müngersdorf aus Lindenthal ausgepfarrt und zu einer neuen Gemeinde zusammengeschlossen. Die Grenze wird durch die Dürener Straße gebildet.“

Uwe Zimmermann
Jubiläumsschrift der Clarenbachgemeinde, Köln 2000

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