|
GemeindeentwicklungDie Gemeinde und ihre Pfarrer und Pfarrerinnen Gemeindliches Leben lässt sich nicht mit einem Bandmaß messen. Auch Statistik und Zahlen können die wirkliche Lage der Kirchengemeinde und die geleistete Arbeit nicht ausweisen. Dennoch ist es interessant und erhellend, einen Blick auf Zahlen zu werfen. Zahlen und Statistiken vermitteln annäherungsweise ein Bild über das Leben einer Gemeinde. Wer freilich aus den statistischen Angaben Erfolge herauslesen will, verkennt die Aussagefähigkeit der Zahlen dort, wo es um die Menschen geht. Sie arbeiten letztlich am Gelingen der gemeindlichen Arbeit mit, tragen dazu bei, dass es überhaupt Gemeinden gibt.
2. Pfarrstelle Beginnen wir mit Zahlen, so lässt sich sagen, dass die Gemeinde im Jahre 1950 ungefähr 5.000 Gemeindeglieder hatte. Bis zum Jahr 1960 wuchs sie sogar auf 11.000 "Seelen", wie es der damalige Gemeindebrief in der Kirchensprache seiner Zeit ausdrückte. Es liegt auf der Hand, dass eine so große Gemeinde nicht von einem Pfarrer allein versorgt werden kann. Darum machte sich das Presbyterium schon im Jahre 1952 Gedanken über eine zweite Pfarrstelle. Es sollte allerdings noch fast fünf Jahre dauern, bis diese dann genehmigt und die Stelle endgültig besetzt werden konnte. Im Dezember 1956 wird das Verfahren im Gemeindebrief erläutert: Pfarrer Günther Ziegler Der damals noch nicht gewählte Pfarrer hieß Günther Ziegler. Am 27. Oktober 1957 wurde er durch Superintendent Encke in sein Amt eingeführt. Fortan wirkten zwei Pfarrer in der Gemeinde. Doch das war dem Presbyterium bei der großen Zahl der Evangelischen noch nicht genug. Im gleichen Jahr wurde die dritte Pfarrstelle beantragt. Für die Übergangszeit bis zur Besetzung der dritten Pfarrstelle kümmerte sich Pfarrer Ziegler auch um die Gemeindeglieder dieses Bezirks.
3. Pfarrstelle Erst im Jahre 1963 konnte die nun endgültig genehmigte dritte Stelle mit Pfarrer Hans Siepmann besetzt werden. Er übernahm den neugebildeten Pfarrbezirk Müngersdorf. Kaum waren gute Voraussetzungen für die pfarramtliche Arbeit gegeben, deuteten sich jedoch schon Veränderungen an. Pfarrer Ziegler, inzwischen sieben Jahre als Pfarrer in der Gemeinde tätig, wollte sich verändern. Dabei ergab es sich, dass er mitsamt seinem Pfarrbezirk Ende 1964 die Gemeinde verließ. Zur Freude der Lindenthaler Gemeinde kehrte der 1950 abgetrennte Bezirk nördlich der Dürener Straße bis zur Aachener Straße zur Muttergemeinde zurück. In einer Gemeindeversammlung sprachen sich die Anwesenden für eine „Umgemeindung" des "bisherigen Bezirks Ost der Clarenbach-Kirchengemeinde aus". Mit Wirkung vom 1. Januar 1965 wurde diese dann vollzogen.
Gebietsverkleinerung Für die Gemeinde hatte dies jedoch große Auswirkungen. Sie wurde nicht nur zahlenmäßig, sondern vor allem auch gebietsmäßig kleiner. Erstreckte sie sich bisher bis zur Universitätsstraße, so endete das Gebiet stadteinwärts jetzt schon am Melatengürtel. Die ursprüngliche Zentrumslage von Kirche, Altenheim und Kindertagesstätte verschob sich durch die Abtretung des östlichen Gemeindegebietes beträchtlich. Eine zweite Veränderung hängt mit dem Ausscheiden von Pfarrer Heinrich Püschel aus dem Pfarramt zusammen. Lange Jahre hatte er die Doppelbelastung von Pfarramt und Geschäftsführung des Clarenbachwerkes zu bewältigen. 1966 ließ er sich wegen seines schlechten Gesundheitszustandes beurlauben. 1967 trat er als Pfarrer in den Ruhestand.
Püschel im Ruhestand Er ließ es sich aber nicht nehmen, seine sozialethische Aufgabe weiter fortzuführen. Als Vorsitzender des Vorstandes des Clarenbachwerkes e.V. arbeitete er an seiner Lebensaufgabe, der Betreuung alter und hilfsbedürftiger Menschen, weiter. 1981, im Todesjahr Püschels, schrieb ein anderer Braunsfelder Pfarrer, Rudolf Schulz, einen Artikel über den "Begründer der Clarenbachgemeinde". Schulz charakterisiert den Verstorbenen darin als "einen der ungewöhnlichsten und profiliertesten Pfarrerpersönlichkeiten im Nachkriegs-Köln. Dessen Lebenswerk könnte man mit folgenden Sätzen zusammenfassen: Theologie ist gut, Predigen ist notwendig ... Aber irgendwo steht auch, dass es ohne Diakonie nicht geht. In meinen Augen ist eine Gemeinde ohne Diakonie eine tote Gemeinde." Kehren wir zurück in die sechziger Jahre, so gibt es noch einiges nachzutragen. Während zwei Pfarrer aus dem gemeindlichen Dienst ausschieden, kamen zwei andere hinzu. Neben dem schon erwähnten Pfarrer Hans Siepmann, der im Jahre 1963 seinen Dienst antrat, waren dies Pfarrer Heinz Weidemann und Pfarrer Rudolf Schulz.
Pfarrer Weidemann 1966 übernahm Weidemann, der aus Hannover nach Braunsfeld kam, den Bezirk Braunsfeld-Nord. Er, der 1909 in Wissek/Posen zur Welt kam, trat in Braunsfeld seine letzte Pfarrstelle an. Zehn Jahre lang predigte er der Gemeinde "den gekreuzigten und auferstandenen Herrn", wie Pfarrer Siepmann im Gemeindebrief aus dem Jahre 1977 schreibt. Dann fährt er mit seiner Würdigung fort: "Die Gemeinde erlebt den Pfarrer im Gottesdienst. Sie beurteilt ihn oft einzig danach, denn verborgen bleibt meistens, was in der Seelsorge geschieht, welche Hilfe er in den Einzelgesprächen gibt. Pfarrer Weidemann hat bei vielen seelsorgerlichen Gesprächen sich den ihm Anvertrauten zugewandt. Bei seiner Wahl hat sich das Presbyterium leiten lassen von dieser seiner Gnadengabe." Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand blieb er weiterhin für die Gemeinde aktiv. Er lebte bis zu seinem Tode im April 1988 in Braunsfeld. Nach den inzwischen verstorbenen Pfarrern Püschel, Ziegler und Weidemann sollen im Folgenden die Lebenden kurz Erwähnung finden, wenngleich drei davon nicht mehr im gemeindlichen Dienst stehen.
Pfarrer Pöttgen Nachfolger von Pfarrer Weidemann wurde im Jahr 1977 Pfarrer Wolfgang Pöttgen, der schon als Vikar in der Gemeinde tätig war. Er widmete sich vornehmlich der Kinder- und Jugendarbeit. Im Jahre 1986 verließ er Braunsfeld und arbeitet seither in der Gemeinde Bensberg. Am längsten in der Gemeinde tätig waren Pfarrer Hans Siepmann (1963-1996) und Pfarrer Rudolf Schulz (1966 -1999). Sie erlebten, gestalteten und prägten die Entwicklung der Gemeinde über drei Jahrzehnte mit. Der Chronist zum 20-jährigen Jubiläum, Wilhelm Scheffen, schreibt 1970 im Gemeindebrief über deren Anfangszeit: Für jeden dieser drei Pfarrer (Siepmann, Schulz, Weidemann) ließ die Gemeinde in seinem Bezirk ein Pfarrhaus errichten oder kaufen. Das intensiviert das gemeindliche Leben, besonders in der Seelsorge und in der Arbeit der verschiedensten Kreise. Außerdem erwirbt die Gemeinde das nahe der Kirche gelegene Haus Christian-Gau-Straße 51, das seither als Gemeindeamt, Gemeindeveranstaltungshaus, Presbyteriumssitzungshaus, Gemeindebücherei und Schwesternstation dient. Es erfüllt nicht alle Wünsche der Gemeindeglieder; denn es fehlen ein größerer Veranstaltungsraum für die Frauenhilfe und eigentliche Jugendräume. Aber solange die Gemeinde ihre diakonische Aufgabe in den beiden Heimen und in der Kindertagesstätte für vordringlicher hält - und wer hielte das in einer christlichen Gemeinde nicht? - müssen solche Wünsche zurückstehen. Pfarrer Siepmann Bei dieser Art Rückblick wird deutlich herausgestellt, was
Schwerpunkt der gemeindlichen Arbeit ist: Es ist und bleibt die
diakonische Arbeit. Andere Aufgaben werden zwar wahrgenommen, haben
sich jedoch diesem Ziel unterzuordnen.
Pfarrer Schulz Andere Schwerpunkte hingegen setzt Pfarrer Rudolf Schulz. Er, der weit über die Gemeindegrenze hinaus bekannt wurde, hat in zahlreichen Veröffentlichungen Einblick in seine theologische Arbeit gegeben. Besonders die Predigt lag ihm am Herzen. In Seminaren und bei Vorträgen konnte man sich von seinem großen Wissen, das er den Menschen nahe bringen wollte, überzeugen. Resümierend wird nach seinem vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand im Gemeindebrief des Jahres 1999 festgehalten: "Von Anfang an bis heute gelang es ihm, durch seine undogmatischen, mit Bibelzitaten sparsam umgehenden Predigten seine suchenden, fragenden und zweifelnden Hörer in ihrer gegenwärtigen Situation anzusprechen." Dem ist nichts weiter hinzuzufügen außer, dass er zusammen mit seiner Frau Heide-Ulrike in Düsseldorf (!) den Lebensabend verbringt. Für einen fast Kölsche Jong, zählt man seine Jugendstätte Brauweiler hinzu, eine kaum vorstellbare Ortsveränderung ...
Gemeinde schrumpft Was sich Mitte der sechziger Jahre schon zaghaft andeutete, verdichtete sich im Laufe der Zeit immer mehr: Die Gemeinde wurde kleiner. Bedingt durch die Umgemeindung des ehemaligen Pfarrbezirks Ost nach Lindenthal, verloren wir viele Gemeindeglieder. Waren es Mitte der sechziger Jahre noch um die 10.000 Menschen, die zur Clarenbach-Kirchengemeinde gezählt wurden, so fiel diese Zahl im Jahr 1970 schon auf 7.000. 1977, im Jahr der neu errichteten Funktionspfarrstelle, betrug sie ungefähr 5.400. 1984 zählten wir erstmals seit Gründung der Gemeinde weniger als 5.000 Evangelische. Durch erneute Gebietsveränderungen Anfang der neunziger Jahre schrumpfte die Zahl der Protestanten bis zum Ende des Jahrtausends auf knapp 4.000. Der Schlüssel für die Errichtung bzw. Beibehaltung der drei Pfarrstellen bleibt aber weiterhin erfüllt. Kürzlich erst teilte dies die Landeskirche beim Besetzungsverfahren für die erste Pfarrstelle ausdrücklich mit. Diese Pfarrstelle ist seit dem Jahr 2000 durch die aus Bonn kommende Pfarrerin Ulrike Graupner besetzt. Die zweite Pfarrstelle (Braunsfeld-Nord und Müngersdorf) hat Pfarrer Uwe Zimmermann seit dem Jahre 1987 inne. Und der Dienst in den Altenheimen und im Dreifaltigkeitskrankenhaus (3. Pfarrstelle - Funktionspfarrstelle) wird seit 1997 vom Pfarrerehepaar Kirsten und Norbert Prey versehen. Uwe Zimmermann
|